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Das Fach Ethik
Das Fach Ethik ist am FDG in den Klassen 5 bis 12 für alle Schüler, die nicht am katholischen oder evangelischen Religionsunterricht teilnehmen, zwei Stunden in der Woche Pflichtunterricht.
Neben dem Kennenlernen verschiedener Religionen hat hier vor allem die Werteerziehung einen besonderen Platz.
Liao Yiwu
Am 8. 11. 2013 besuchte der chinesische Dissident und Schriftsteller Liao Yiwu, der den diesjährigen Aschaffenburger "mutig"- Preis bekommen hat und bereits Träger des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist, das Friedrich- Dessauer- Gymnasium. Yiwu saß jahrelang als politischer Gefangener in chinesischer Haft, weil er 1989 das Gedicht "Massaker", das den niedergeschlagenen Studentenprotest am Pekinger "Platz des Himmlischen Friedens" thematisiert, verfasste und verbreitete. Bekannt wurde er in Deutschland durch das Werk "Für ein Lied und hundert Lieder", in dem er über seine Haftzeit berichtet. Seit 2011 lebt und arbeitet er in Berlin.
Dies war sowohl für die anwesenden Schüler und Lehrer des FDGs als auch für eine vom Elsenfelder Gymnasium aus angereiste Schülergruppe ein echtes Erlebnis.
Eine Ethikgruppe des FDGs hatte sich im Vorfeld bereits mit Menschenrechtsverletzungen in China und mit dort inhaftierten Autoren auseinandergesetzt. Für sie war es natürlich besonders eindrucksvoll, die zuvor nur als theoretischen Unterrichtsgegenstand behandelte Person jetzt leibhaftig vor sich sitzen zu sehen.
Die Tatsache, dass Herr Liao nur Chinesisch spricht und mittels einer Dolmetscherin mit dem Publikum kommunizierte, schuf eine authentische Atmosphäre. Durch seine offene und zugewandte Art bemühte sich der Schriftsteller überdies um Nähe zu den Zuhörern. Diese belohnten seine Anstrengungen prompt mit vielen Fragen, von denen sogar eine auf Chinesisch formuliert wurde. Die Schüler interessierten sich vor allem für persönliche Dinge, wie dafür, ob er sich in seinem Berliner Exil wohlfühle oder wie er die chinesische Gesellschaft wahrnehme. Weiterhin wurden auch heißere Eisen angefasst, so sprach man sein Verhältnis zum umstrittenen chinesischen Literaturnobelpreisträger Mo Yan an, den Yiwu als Parteigänger der chinesischen Regierung darstellte. Überdies wurde Yiwu auch mit dem Vorwurf des Wochenmagazins "Zeit" konfrontiert, das ihm vorgeworfen hat, er habe den Gefängnisalltag in seinem Zeugenbericht übertrieben dramatisch gestaltet, um den Absatz des Buchs zu steigern. Der Dissident wies diesen Vorwurf entschieden zurück. Schade nur, dass Herr Liao nicht mehr dazu kam, das Gedicht "Massaker" zu verlesen. Der Gong zum Schulschluss kam nämlich dazwischen. Die Jugendlichen, die bis dahin konzentriert zugehört und mitdiskutiert hatten, wollten dann doch ins Wochenende starten.

Julia Grundner







Liu Xiaobo
Die Schüler des Ethikkurses 11 des Friedrich- Dessauer- Gymnasiums nehmen an einem Projekt des Künstlers Richard Hillinger teil. Der Landshuter wurde 2008 durch seine "Tauben"- Aktion bekannt. Anlässlich des 60. Jahrestags der Erklärung der Menschenrechte verschickte er weltweit 30 der goldfarbenen Taubenskulpturen. Die Friedenssymbole, die für je einen Artikel der Menschenrechte stehen, gastierten bei Prominenten und Institutionen in aller Welt und sind ein lebendiger Aufruf zum Weltfrieden.
In der Aschaffenburger Hofbibliothek ist gerade eine Büste Hillingers zu Gast, die an das Leid des in China inhaftierten Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo erinnert und zur Einhaltung der Menschenrechte aufruft. Xiaobo, der schon seit den Studentenprotesten 1989 politisch aktiv ist, sitzt im Gefängnis, weil er sich gemeinsam mit anderen Bürgerrechtsaktivisten für Redefreiheit, politische Reformen und freie Wahlen in China eingesetzt hat. Er konnte 2010 den hoch dotierten Nobelpreis nicht annehmen, weil er damals schon eingesperrt war. Seine Haft hat ihm gesundheitliche Schäden zugefügt, er hat wegen der schlechten Ernährung Magenprobleme. Als besondere Demütigung ist zu sehen, dass seine Frau schon seit Längerem unter Hausarrest steht und jüngst auch sein Schwager verhaftet wurde.
Die Gymnasiasten haben die Büste aus der Hofbibliothek mit in ihr Klassenzimmer genommen und überbringen ihr unter dem Motto "die Würde des Menschen ist unantastbar. Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person" ganz individuell Botschaften, die zur Einhaltung der Menschenrechte in China, aber auch an anderen Orten der Welt aufrufen.